8. Treffen 16.11.2022 – Speckpfannkuchen

8. Treffen 16.11.2022 – Speckpfannkuchen

16. November 2022 Aus Von kstrathus

Nach drei Wochen Pause war das diakonische Kochstudio heute wieder geöffnet. Leider waren wir nur zu dritt, denn Frau Richardt war immer noch im Krankenhaus. Wir hatten gehofft, dass sie wieder dabei ist, aber ihr Aufenthalt im „Etienne“ (Johanna Etienne Krankenhaus, Neuss) zieht sich wie ein Kaugummi in die Länge. Die anderen beiden Mitköche sind zunehmend besorgt und fragen mich auch zwischendurch öfters, ob ich Neues von ihr wüßte. Die Nachfrage zeigt mir, dass sich durch die gemeinsame Kocherei eine gewisse Bindung und Sympathie entwickelt hat – ich glaube, vorher hatten die drei Teilnehmer untereinander nicht viel Kontakt.

Auch Herr Beyer war schwer angeschlagen nach seiner Covid-Erkrankung und konnte sich kaum auf den Beinen halten. Trotzdem stellte er sich tapfer an den Herd – immerhin waren die Speckpfannkuchen sein Menüvorschlag – und überwachte persönlich den Bratvorgang, zumindest zu Beginn. Zunächst aber mussten wir dem Teig Zeit geben, zu ziehen, zu sitzen, wie auch immer – er musste in den Kühlschrank und dort mindestens eine halbe Stunde bleiben. Zeit also für das Zeitungsstudium von Herrn Beyers Lieblings-Boulevardblatt:

Tödliche Schüsse auf den Verstand aus Deutschlands Revolverblatt Nummer Eins!

Nach einer Weile konnte er nicht mehr stehen und musste sich setzen. Der ganze Vorgang hatte ihn so erschöpft, dass er kaum eine Hand heben konnte. „Im Moment bin ich schon froh, dass ich überhaupt lebe“, sagte er. Also lag es an Frau Hermann und mir, die Speckpfannkuchen zu backen. Keine allzugroße Herausforderung, auch wenn uns der Teig ein bißchen zu dick geraten war.

Kaum haben die Assistenten den Herd übernommen…..
… brennt der Pfannkuchen an!
Trotzdem gab es am Endergebnis nichts zu meckern!

Das Ergebnis war so, dass Frau Hermann und ich, die wir noch nie im Leben Speckpfannkuchen gegessen hatten, zufrieden und pappsatt waren. Werner Beyer konnte nichts essen; ihm hatte die Anstrengung so zugesetzt, dass er nichts herunterbringen konnte.

Dafür kam er, während er uns beim Essen zusah, ins Sinnieren über seine Karriere als Profi-Hobbykoch. Er brachte einige Gerichte für unser nächstes Treffen ins Spiel; alles Mahlzeiten, die er im Laufe seines Lebens schon selbst zubereitet hatte. „Ach, da gibt es noch so viele Sachen… das ist unendlich…“ seufzte er.

Er erzählte, dass er schon als Kind angefangen hatte, selbst zu kochen und zu backen: „Meine Mutter hat einen Zettel hinterlassen, was es zu kochen gibt, und ich hab‘ das gekocht. Da war ich so sieben oder acht Jahre alt. Die Zutaten waren da, die hat sie eingekauft – ich hatte ja kein Geld. Mein Bruder war ein paar Jahre jünger als ich, und wenn wir aus der Schule kamen, hab ich für uns gekocht. Irgendwann hab ich auch mit dem Backen angefangen…“

Dieser Hintergrund erklärt den spürbar professionellen Umgang mit Zutaten, Abläufen und dem gesamten Kochvorgang, der bei Herrn Beyer zu beobachten ist. Was wir anderen nur nach Rezept kochen können und unter ständigem Nachschlagen und Abgleichen, quasi zwischen Kochbuch und Herd hin- und herspringend, dann irgendwie fertig kriegen, hat Werner Beyer auswendig drauf. Wie bei jedem Könner und Meister seines Handwerks kann er sich dank seiner umfangreichen Grundkenntnisse ganz auf den kreativen Vorgang des Kochens selbst konzentrieren. Dabei befähigt ihn seine Erfahrung, stets die richtige Menge der richtigen Zutaten zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen, beizufügen und alles zu einem harmonischen Ganzen zu bringen.

Zurück zu den Speckpfannkuchen. Dies sind im Grunde Eierpfannkuchen, deren Teig mit Salz und Puffer abgeschmeckt wurde, plus die Bacon-Streifen (siehe Rezept). Ein extrem einfaches (und extrem eierlastiges) Gericht, dass auch noch extrem satt macht. Nach einem halben der dicken fetten Pfannkuchen gaben Helga Hermann und ich auf und streckten Messern und Gabel von uns. Die Kollegen aus Hauswirtschaft und Pflege freute es, denn auf diese Weise blieb reichlich für sie übrig.

Ein weiterer Vorteil der Speckpfannkuchen besteht darin, dass sie auch kalt ganz gut schmecken. Wenn man den Speck weglässt, so Chefkoch Beyer, kann man sie auch rollen, kleinschneiden und als Zutat in Suppen geben. Wichtig bei der Zubereitung des Teigs ist dass dieser so dünn wie möglich ist – umso „leichter“ (und besser verdaulich) werden die Pfannkuchen. Das hatten wir nicht so ganz hingekriegt, weil der Chefkoch gesundheitsbedingt erst verspätet zu uns stieß. Im Ergebnis waren die Speckpfannkuchen aber geschmacklich und konsistenzmäßig ein voller Erfolg; sie sahen aus wie auf den einschlägigen Fotos bei chefkoch.de oder eatsmarter.com und mundeten uns ganz vorzüglich.

So lecker wie sie aussehen: Speckpfannkuchen

Auch wenn man einwenden mag, dass Eierpfannkuchen, ob mit Äpfeln oder mit Speck, keine große kochtechnische Herausforderung darstellen, ist dem entgegenzuhalten, dass der Teufel im Detail steckt (siehe Teig-Konsistenz) und unerfahrene Köche so gut wie alles verderben können.

Das Treffen heute hatte etwas Wehmütiges, weil Linda Richardt schon wieder fehlte, weil es Herrn Beyer nicht gut ging – und weil es unser vorletztes war. Beim nächsten Mal gibt es auf Vorschlag von Herrn Beyer Schweinesteak mit Bohnen. Wir hatten kurz erwogen, Tafelspitz zu machen, hatten das aber wegen der langen Vorbereitungs- und Garzeit wieder verworfen. Danach ist erstmal Schluß mit den wöchentlichen Treffen. Wir hoffen jedoch, dass wir im Anschluß an dieses Projekt wenigstens einmal im Monat im Rahmen eines regelmäßigen Angebotes, unseren kulinarischen Leidenschaften weiter frönen können.

Nachtrag 1: Video-Dokumentation – Werner Beyer live am Herd!

Der Meister selber macht vor, wie professionelle Speckfannkuchen entstehen.

Nachtrag 2: Kochtopfklau im Pflegeheim!!
Zum Glück hatten wir heute nur Pfannen im Herd-Einsatz, denn etwas anderes als Pfannkuchen hätten wir nicht machen können – die nagelneuen Töpfe, die wir angeschafft hatten, waren aus dem verschlossenen Schrankfach des Wohnbereiches verschwunden. Nur die Deckel hatte man uns gelassen.

Ein paar Tage später wurde der Topf durch Zufall in einer versteckten Schublade des Wohnbereiches 2 gefunden. Eine Kollegin hatte ihn anscheinend zur Glühweinbereitung benutzt und nach getaner Arbeit einfach irgendwo abgestellt. Die Kasserolle bleibt verschwunden, obwohl die gesamte Einrichtung danach abgesucht wurde.

Nachtrag 3: 

Etwa zehn Tage später kam auch die Kasserolle wieder frei. Sie befand sich in der Bewohnerküche eines anderen Wohnbereiches, wo sie deckellos in einer dunklen Schublade festgehalten wurde. Erste Hinweise lenkten den Verdacht auf die Nachtschicht-Kollegen, aber die Ermittlungen verliefen im Sande.