2. Treffen 14.07.2022 – Reibekuchen mit Lachs und Meerrettich
Teilnehmer: Linda Richardt, Werner Beyer, Helga Hermann
Die erste Koch-Runde! Es war klar, dass dieses erste gemeinsame Kochen – bzw. Braten, denn es ging ja um Reibekuchen – der initiale Testlauf für die praktische Seite unseres Projektes sein würde. Schon von daher war kein REIBungsloser (sic!) Ablauf zu erwarten. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: die Reibekuchen selbst und das gesamte Menü waren von exzellenter Qualität und die Runde genoß von Anfang bis Ende den Prozess der kollektiven Essenszubereitung und (vor allem) den Verzehr unseres ersten Menüs.
Bis es soweit war, wollten allerdings etliche Schwierigkeiten überwunden sein. Die Sitzgruppe in der Fernseh-Ecke des Wohnbereiches, die uns als Küchenstudio dient, musste zunächst mal mit einem für die Zubereitung tauglichen Tisch aus der Caféteria versehen und das ganze Arbeitsmaterial aus der Küche organisiert werden. Und das war schon die erste Hürde: unsere Einrichtungsküche ist im Grunde nur ein Essens-Aufwärm-Umschlagplatz für die Essenslieferungen der Erftaue Service GmbH. Schneidebretter und Messer waren noch organiserbar, aber schon bei Schüsseln haperte es, und selbst einfachste Zutaten wie Mehl. Apfelmus u.dgl. werden aufgrund der konsequenten Auslagerung jeder auslagerbaren Dienstleistung – das allgegenwärtige Mantra dieser Maßnahmen ist immer: Kostenoptimierung! – nicht mehr in der Einrichtung vorrätig gehalten.
Schließlich mussten wir unseren Kartoffelteig in einem Plastikeimer anrühren, anstelle des Mehl nahmen wir etwas Haferflocken (die gibt es zum Glück noch im Pflegeheim). Das focht uns im Grunde nicht weiter an, außer dass es ziemlich viel Lauferei zwischen 2. Stock und Küche nötig machte. Zum Glück hatten wir in weiser Voraussicht bereits um 09:00 Uhr statt um 10:00 Uhr mit den Vorbereitungen begonnen, so dass wir trotz aller Widrigkeiten gegen 11:00 mit allen Vorbereitungen fertig waren, das Chaos in unserem Küchenstudio beseitigt und den Tisch ansprechend eingedeckt hatten. Schließlich wollten wir ja ansehnliche Fotos unseres ersten Menüs machen für das spätere Kochbuch!
Wir waren also bereit, die zwei Pfannen zum Einsatz zu bringen, die wir – auch das kein einfaches Unterfangen – auf verschiedenen Wohnbereichen organisiert hatten. Nun stellte sich heraus, dass keiner von uns eine Ahnung hatte, wie die hochmodernen Induktionsherde der Wohnbereiche funktionierten. Unter Flüchen und Verwünschungen probierten wir dies und jenes, erzielten auch mal ein hoffnungsvoll stimmendes Aufleuchten der digitalen Anzeigen, konnten aber keine der Herdplatten zum Erhitzen bringen. Schließlich wusste eine Pflegekollegin weiter, startete die Herdplatten und es konnte losgehen!
Zunächst stellte sich Chefkoch Werner Beyer persönlich an den Herd um die erste Runde Pfannkuchen zu braten. Inzwischen hatten aber alle Hunger bis unter beide Arme. Zu unserem Glück erbot sich Kollege Erichsen, seines Zeichens Sozialer Dienst Mitarbeiter und zwei Jahre lang so etwas wie der Interims-Chefkoch des Fliedner-Hauses, den Job zu übernehmen und unsere Runde konnte gemeinsam die Reibekuchen mit Lachs und Meerrettich oder mit Apfelmus genießen.



Mittlerweile hatte sich der Duft der Reibekuchen im Wohnbereich verbreitet und liess etlichen Bewohnern und Kollegen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Was wir übrig hatten, gaben wir ab (es war nicht viel) und glücklicherweise gab es heute Bratwürste auf dem offiziellen Speiseplan, was den Schmerz linderte, keinen von den leckeren Reibekuchen abgekriegt zu haben. Reibekuchen nämlich sind extrem beliebt bei Bewohnern und Mitarbeitern – so sehr, dass die Küche auf vielfachen Wunsch am kommenden Mittwoch fürs ganze Haus Reibekuchen auf den Menüplan gesetzt hat! Allerdings sind die Instant-Retorten-Reibekuchen des Pflegeheim-Caterings natürlich nicht zu vergleichen mit unseren in hingebungsvoller und aufwändiger Handarbeit gefertigten Edel-Reibekuchen, von Lachs und Meerrettich als Beigabe schon ganz zu schweigen.
Und natürlich gibt’s in der kommenden Woche auch kein Bolten Altbier zum Runterspülen. Die drei Flaschen, die ich mitgebracht hatte, wurden schnell leer und vertieften die Gemütlichkeit – aber auch die anschließende Schläfrigkeit – der insgesamt hochzufriedenen Kochrunde. So wurde wieder mal die alte Weisheit bestätigt: „Müd un satt – wie schön is dat!“
PS: Einen Wermutstropfen gibt es: unsere vierte Teilnehmerin, Frau Steinfartz, konnte wegen Klinikaufenthaltes nicht teilnehmen. Wie man hört, geht es ihr nicht gut und wir wissen nicht, wann sie wieder zu uns stoßen kann (und ob sie es überhaupt will). Die kleine Zahl von nur drei Teilnehmern ist allerdings kein Problem, sondern im Gegenteil vorteilhaft; inziwschen bin ich der Meinung, dass vier und nicht sechs Leute das Maximum an Teilnehmern bilden sollten. Das Projekt ist von Art und Aufwand her einfach unwahrscheinlich aufwändig (was mir vorher nicht klar war), und wie sich jetzt herausstellt, sind drei bis vier feste Teilnehmer die optimale Anzahl. Was nicht heisst, dass nicht der eine oder die andere bei Gelegenheit hinzu kommen könnte.